Abiturjahrgang 1979 in Berlin 11.09.- 13.09.2015



Wenn sich ein knappes Viertel eines Abiturjahrgangs außerhalb der üblichen Jahrestage zu einem Treffen zusammenfindet, das darüber hinaus nicht nur einen Abend, sondern ein ganzes Wochenende dauert und das nicht im vertrauten Umfeld, sondern in Berlin stattfindet, muss das schon etwas Besonderes sein. Und das war es. Etwas Besonderes.
Nicht nur Treffpunkt und Programm sondern auch das Wetter hätten besser nicht sein können. Petrus muss entweder Berliner oder Westerwälder sein.

Doch jetzt mal langsam der Reihe nach.

Wie alle Schulabsolventen haben sich auch die 92 Abiturienten des Abiturjahrgangs 1979 des Mons-Tabor-Gymnasiums in Montabaur nach der bestandenen Hochschulreife in alle Winde verstreut. Montabaur und München, Andernach und Australien, Bannberscheid und Berlin lauteten die Namen der neuen Aufenthaltsorte.
Einer der Abiturienten ist Prof. Dr. Hans Hofmann, der bereits vor Jahren über den Umweg Bonn in Berlin gelandet war. Den Inhalt seiner Visitenkarte hier wiederzugeben, würde zu weit führen (und wäre am Ende gar der Verrat von Regierungsgeheimnissen), doch so viel sei gesagt, dass er nach Stationen in verschiedenen Ministerien, dem Bundeskanzleramt und einer Bundestagsfraktion heute an maßgeblicher Stelle im Ministerium des Inneren sitzt.

Ob es beim Treffen zum 25., 30. oder 35. Jahrestag war, ist nicht mehr nachzuvollziehen, jedenfalls reifte bereits seit längerer Zeit die Idee, gefolgt von der Einladung, ein gemeinsames Wochenende in Berlin zu verbringen. Im September 2015 war es soweit. Eingeladen und örtlich organisiert von Hans und seiner Frau Angela, die dabei von einigen anderen Jahrgangskollegen und-kolleginnen unterstützt wurden, trafen sich 22 Ehemalige zur Feier des 36. Jahrestages ihres Abiturs in der Bundeshauptstadt.
Nach der individuellen Anreise mit Flugzeug, Bahn oder Auto begann das Wochenende am Freitagabend in der "Ständigen Vertretung", einer rheinischen Kultkneipe an der Spree, in der an den schon lange zurückliegenden Regierungsumzug von Bonn nach Berlin täglich neu erinnert wird.
Wie immer bei solchen Gelegenheiten dauerte es keine zwei Minuten und es saßen sich keine distinguierten und seriösen Erwachsenen mehr gegenüber, sondern gut gelaunte Pennäler mit Wiedersehensfreude und Feierlaune - diese Veränderung währte übrigens das ganze Wochenende und sogar darüber hinaus.
Der Abend endete nach einem Umweg über die Friedrichstraße und den Gendarmenmarkt sowie einem Besuch im ZDF-Hauptstadtstudio (in dem unsere Maria ihren Heimvorteil nutzte und eine spontane Führung organisierte) in der Newton Bar in Berlin Mitte, die sich seitdem rühmen kann, in dieser Nacht neben dem EU-Kommissar Günther Oettinger auch die Abiturientia 1979 bewirtet zu haben.
Der nächste Tag stand völlig im Zeichen der Hauptstadt. Interessante, aufschlussreiche und kurzweilige Führungen durch das Bundeskanzleramt (mit einem Abstecher in die allerheiligsten Hallen wie den Kabinettssaal und den internationalen Konferenzraum) und den Reichstag fanden bei Kaiserwetter (oder sollte man hier besser Kanzlerinnenwetter sagen?) statt.

Neben den Besuchen im Plenarsaal und den Fraktionssälen war der Aufenthalt in der Reichstagskuppel mit einem unglaublichen Panoramablick über Berlin an diesem strahlenden Herbsttag mehr als ein Highlight des Wochenendes.

Doch wer glaubte, all dies sei nicht mehr zu toppen, hatte sich in unserem Gastgeber geirrt. Hans hatte einen kleinen privaten Empfang organisiert, der von der Dachterrasse und dem Wintergarten eines zehnstöckigen Bürogebäude aus denselben Panoramablick präsentierte wie vorher bereits erlebt, dieses Mal allerdings auch über den Tiergarten und die zuvor besuchten Regierungsgebäude. Über den Dächern von Berlin zu sitzen, den Sonnenuntergang über der Siegessäule zu erleben, dabei zuzusehen, wie gegenüber im Bundeskanzleramt und in der Reichstagskuppel langsam die abendlichen Lichter angehen und sich mit Klassenkameraden über längst vergangene Zeiten zu unterhalten ("Weißt du noch, wie Otto sich damals die Glatze gekämmt hat?" "Bei Macko haben wir Rosa von Praunheim gelesen, kannst du dir vorstellen, was passiert ist, als meine Mutter das in meinem Nachttisch gefunden hat?")- mir fehlen die Worte, diesen Abend beschreiben zu können.

Ausklang fand der Tag im Restaurant "Viale dei Tigli", was auf deutsch "Lindenallee" heißt und sich - wer hätte es gedacht - in der Prachtstraße "Unter den Linden" befindet und anschließend in einigen Kneipen in Berlin Mitte und an der Spree.

Nachdem die ersten bereits Sonntag früh wieder den Heimweg angetreten hatten, war es noch eine kleine Gruppe von 14 Personen, die am nächsten Morgen eine Schifffahrt auf der Spree an all den Gebäuden entlang unternahm, die man am Tag vorher noch zu Fuß erkundet hatte. Kurz nach Mittag trennte man sich, um sich auf den Heimweg zu machen oder noch einige Tage auf eigene Faust in Berlin zu bleiben.

Was bleibt, sind die Erinnerung und die Freundschaft.

Udo
im September 2015